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Gunther von Hagens
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Gunther von Hagens: Leben, Körperwelten, Plastination und sein Vermächtnis

Waltraud Keller
Last updated: September 5, 2026 7:01 a.m.
Waltraud Keller Published September 5, 2026
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13 Min Read

Gunther von Hagens war ein deutscher Mediziner, Anatom, Erfinder und Unternehmer. Weltweit bekannt wurde er durch die von ihm entwickelte Plastination und die Ausstellung KÖRPERWELTEN, in der echte menschliche Körper und Organe dauerhaft konserviert gezeigt werden.

Contents
Wer war Gunther von Hagens?Vom DDR-Medizinstudenten zum Erfinder der PlastinationWas ist Plastination und wie funktioniert sie?Wie Gunther von Hagens mit KÖRPERWELTEN weltberühmt wurdeWarum waren die Körperwelten so umstritten?Ehefrau, Kinder und Parkinson-ErkrankungWas von Gunther von Hagens bleibtHäufige Fragen zu Gunther von Hagens

Am 24. Juli 2026 starb Gunther von Hagens im Alter von 81 Jahren. Er hatte viele Jahre mit Parkinson gelebt und sich wegen seiner fortschreitenden Erkrankung zunehmend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Seine Arbeit wird jedoch fortgesetzt. Seine Ehefrau Dr. Angelina Whalley führt das Institut für Plastination, während sein Sohn Rurik von Hagens eine wichtige Rolle am Plastinationsstandort Guben übernimmt.

Wer war Gunther von Hagens?

Gunther von Hagens wurde am 10. Januar 1945 in Alt-Skalden im heutigen Polen geboren. Sein Geburtsname war Gunther Liebchen. Den Familiennamen von Hagens nahm er später von seiner ersten Ehefrau an.

Sein Lebensweg war ungewöhnlich. Er wuchs in der DDR auf, studierte Medizin und geriet nach einem gescheiterten Fluchtversuch in politische Gefangenschaft. Später wurde er von der Bundesrepublik freigekauft und konnte seine medizinische Ausbildung im Westen fortsetzen.

FaktInformation
NameGunther von Hagens
GeburtsnameGunther Liebchen
Geboren10. Januar 1945
Gestorben24. Juli 2026
Alter beim Tod81 Jahre
BerufMediziner, Anatom, Erfinder und Unternehmer
Bekannt fürPlastination und KÖRPERWELTEN
Erfindung der Plastination1977
EhefrauDr. Angelina Whalley
KinderDrei
ErkrankungParkinson

Von Hagens betrachtete Anatomie nicht nur als Fach für Mediziner. Sein großes Ziel war es, auch Menschen ohne medizinische Ausbildung zu zeigen, wie der menschliche Körper tatsächlich aufgebaut ist.

Genau diese Idee machte ihn später weltberühmt – und zugleich zu einer stark umstrittenen Persönlichkeit.

Vom DDR-Medizinstudenten zum Erfinder der Plastination

Gunther von Hagens begann 1965 an der Universität Jena Medizin zu studieren. Ende der 1960er-Jahre versuchte er, die DDR zu verlassen. Der Fluchtversuch scheiterte, und von Hagens wurde inhaftiert.

1970 wurde er von der Bundesrepublik Deutschland freigekauft. Anschließend setzte er sein Medizinstudium in Lübeck fort.

Später arbeitete und forschte er an der Universität Heidelberg. Dort wechselte er 1975 an das Anatomische Institut. Die Arbeit mit anatomischen Präparaten brachte ihn auf eine Frage, die seine weitere Karriere bestimmen sollte: Wie lassen sich Körper und Organe so konservieren, dass ihre natürlichen Strukturen langfristig erhalten bleiben?

1977 entwickelte Gunther von Hagens die Plastination.

Die Technik hatte zunächst vor allem einen wissenschaftlichen und medizinischen Zweck. Anatomische Präparate sollten langlebiger, sauberer und leichter für die Ausbildung von Studierenden nutzbar werden.

1993 gründete von Hagens in Heidelberg das Institut für Plastination. Aus der medizinischen Konservierungstechnik entwickelte sich wenige Jahre später ein weltweites Ausstellungskonzept.

Was ist Plastination und wie funktioniert sie?

Die Plastination ist ein Verfahren zur dauerhaften Konservierung biologischer Körper und Körperteile. Vereinfacht gesagt werden Wasser und lösliche Fette im Gewebe entfernt und durch spezielle Kunststoffe ersetzt.

Dadurch können Organe, Muskeln, Nerven, Blutgefäße und andere Strukturen lange erhalten bleiben.

Der Prozess besteht aus mehreren aufwendigen Schritten.

Zuerst wird der Körper fixiert und sorgfältig anatomisch präpariert. Dabei werden Strukturen freigelegt, die später sichtbar sein sollen.

Anschließend werden Wasser und lösliche Fette aus dem Gewebe entfernt. Dafür wird unter anderem Azeton eingesetzt.

Danach folgt der entscheidende Schritt: die sogenannte forcierte Vakuumimprägnierung. Das Präparat befindet sich in einem flüssigen Reaktionskunststoff. Durch ein Vakuum wird das Azeton aus dem Gewebe entfernt, während der Kunststoff in die Gewebestrukturen eindringt.

Anschließend kann ein Ganzkörperpräparat in eine bestimmte Haltung gebracht werden. Muskeln, Organe und andere Strukturen müssen dabei genau positioniert werden.

Zum Schluss wird der Kunststoff gehärtet.

Die Herstellung eines besonders aufwendigen Ganzkörperplastinats kann rund 1.500 Arbeitsstunden beanspruchen und ungefähr ein Jahr dauern.

Das Ergebnis ist ein trockenes und dauerhaft konserviertes anatomisches Präparat. Genau diese Eigenschaften machten Plastinate nicht nur für Ausstellungen, sondern auch für die medizinische Ausbildung interessant.

Wie Gunther von Hagens mit KÖRPERWELTEN weltberühmt wurde

Der entscheidende Schritt aus dem anatomischen Institut in die Öffentlichkeit erfolgte in den 1990er-Jahren.

1995 wurden von Hagens‘ Plastinate erstmals in einer großen öffentlichen Ausstellung im National Science Museum in Tokio präsentiert. In Deutschland folgte 1997/98 die Ausstellung unter dem Namen KÖRPERWELTEN.

Das Konzept war ungewöhnlich. Besucher sahen keine Kunststoffmodelle, sondern echte menschliche Körper und Organe. Viele Ganzkörperplastinate wurden so positioniert, dass Bewegungen oder Alltagssituationen dargestellt wurden.

Einige Figuren treiben scheinbar Sport. Andere spielen Schach oder zeigen bestimmte Bewegungsabläufe. Dadurch sollten Muskeln, Gelenke und andere Teile des Körpers leichter verständlich werden.

Die Ausstellung entwickelte sich zu einem internationalen Erfolg.

Bis 2026 hatten nach Angaben der Veranstalter mehr als 58 Millionen Menschen die anatomischen Ausstellungen von Gunther von Hagens besucht.

Gemeinsam mit seiner Frau und Kuratorin Dr. Angelina Whalley entwickelte von Hagens verschiedene Ausstellungskonzepte weiter. Neben menschlichen Körpern entstanden später auch die KÖRPERWELTEN der Tiere.

2006 eröffnete von Hagens in Guben in Brandenburg außerdem die Gubener Plastinate GmbH mit dem angeschlossenen PLASTINARIUM. Dort werden Plastinate für Ausstellungen sowie für medizinische Lehrzwecke hergestellt.

Seine Erfindung blieb damit nicht auf Museen beschränkt. Plastination wird auch zur anatomischen Ausbildung und Forschung eingesetzt.

Warum waren die Körperwelten so umstritten?

Kaum ein Teil von Gunther von Hagens‘ Arbeit wurde so intensiv diskutiert wie KÖRPERWELTEN.

Die zentrale Frage lautet bis heute: Darf man echte verstorbene Menschen öffentlich in solchen Posen ausstellen?

Kritiker sahen darin teilweise eine Verletzung der Würde Verstorbener. Auch Kirchenvertreter, Mediziner, Ethiker und Behörden diskutierten darüber, ob der Bildungswert eine solche Form der Präsentation rechtfertigt.

Unterstützer argumentierten dagegen, die Ausstellung ermögliche einen Einblick in den menschlichen Körper, den Menschen außerhalb eines Medizinstudiums normalerweise kaum bekommen.

Auch die Herkunft von Körpern war zeitweise Gegenstand öffentlicher Kontroversen. Besonders in den 2000er-Jahren wurden Vorwürfe rund um Präparate aus China diskutiert. Von Hagens bestritt, wissentlich Körper von Hingerichteten für seine Ausstellung verwendet zu haben.

Für die KÖRPERWELTEN beschreibt das Institut heute ein eigenes Körperspendeprogramm. Nach Angaben des Instituts stammen die Ganzkörper und die Mehrzahl der gezeigten Präparate von Menschen, die sich zu Lebzeiten bewusst für eine entsprechende Körperspende entschieden haben. Einzelne Organe und spezielle Präparate können aus älteren anatomischen Sammlungen oder medizinischen Instituten stammen.

Das Körperspendeprogramm des Instituts umfasste im April 2026 nach eigenen Angaben mehr als 24.000 registrierte Körperspender.

Die Frage nach Einwilligung und Herkunft ist besonders wichtig. Das California Science Center ließ deshalb bereits im Zusammenhang mit der nordamerikanischen Ausstellung die Dokumentation und ethischen Fragen untersuchen; später erfolgte eine weitere Überprüfung.

Die Diskussion um Menschenwürde, Wissenschaft, Bildung und öffentliche Präsentation gehört deshalb genauso zu von Hagens‘ Geschichte wie sein technischer Erfolg.

Ehefrau, Kinder und Parkinson-Erkrankung

Ein wichtiger Mensch sowohl in Gunther von Hagens‘ privatem Leben als auch bei KÖRPERWELTEN war Dr. Angelina Whalley.

Whalley ist ebenfalls Medizinerin. Sie arbeitete mit von Hagens über viele Jahre eng zusammen und entwickelte als Kuratorin die Inhalte der Ausstellungen. Seit 1997 leitet sie das Institut für Plastination.

Gunther von Hagens hatte drei Kinder. Besonders öffentlich bekannt ist sein Sohn Rurik von Hagens. Er übernahm nach dem krankheitsbedingten Rückzug seines Vaters die Geschäftsführung der Gubener Plastinate GmbH.

Von Hagens litt viele Jahre an Parkinson. Die Erkrankung wurde 2010 öffentlich bekannt. Mit zunehmendem Fortschreiten der Krankheit fiel ihm unter anderem das Sprechen schwer, und er zog sich immer stärker aus dem öffentlichen Leben und dem aktiven Geschäftsbereich zurück.

Trotz seiner gesundheitlichen Einschränkungen blieb er seinem Lebenswerk verbunden.

Am 24. Juli 2026 starb Gunther von Hagens im Alter von 81 Jahren.

Die erste Mitteilung seiner Familie und des Instituts für Plastination nannte keine konkrete Todesursache. Deshalb sollte eine bestimmte Todesursache nicht ohne entsprechenden Quellenkontext als Teil der offiziellen Familienmitteilung dargestellt werden.

Eine ungewöhnliche Entscheidung hatte von Hagens bereits lange vor seinem Tod getroffen: Er wollte seinen eigenen Körper plastinieren lassen.

Nach seinem Tod bestätigten seine Familie und das Institut diesen Wunsch. Seine Angehörigen kündigten an, ihn zu respektieren und umzusetzen. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass bereits feststeht, wann, wie oder wo das fertige Plastinat öffentlich gezeigt werden könnte.

Lesen Sie auch diesen Blog, um mehr zu erfahren über: Ludwig Heer

Was von Gunther von Hagens bleibt

Gunther von Hagens hat die öffentliche Wahrnehmung von Anatomie stark verändert.

Vor seiner Arbeit begegneten die meisten Menschen dem menschlichen Körperinneren hauptsächlich in Lehrbüchern, medizinischen Abbildungen oder im Krankenhaus. Mit der Plastination machte er echte anatomische Strukturen dauerhaft sichtbar und transportierbar.

Sein Werk hatte dabei zwei sehr unterschiedliche Wirkungen.

Auf der einen Seite steht eine international eingesetzte Konservierungsmethode, die für medizinische Ausbildung und Forschung genutzt wird. Auf der anderen Seite stehen Ausstellungen, die über Jahrzehnte Debatten über Menschenwürde, Tod, Körperspende und die Grenze zwischen Wissenschaft und Inszenierung ausgelöst haben.

Auch nach seinem Tod endet diese Geschichte nicht.

Angelina Whalley führt das Institut für Plastination und die inhaltliche Arbeit rund um KÖRPERWELTEN weiter. In Guben wird die Arbeit unter der Leitung seines Sohnes Rurik von Hagens fortgesetzt. Die Ausstellungen sind weiterhin international unterwegs.

Damit bleibt Gunther von Hagens eine ungewöhnliche Figur der deutschen Medizin- und Ausstellungsgeschichte: ein Erfinder, dessen Methode wissenschaftliche Anwendung fand, ein erfolgreicher Ausstellungsmacher und gleichzeitig ein Mann, dessen Umgang mit dem menschlichen Körper immer wieder grundsätzliche ethische Fragen aufwarf.

Wer sein Werk verstehen möchte, sollte deshalb beide Seiten betrachten – den medizinischen Nutzen der Plastination und die Diskussion darüber, wie Verstorbene öffentlich dargestellt werden dürfen.

Häufige Fragen zu Gunther von Hagens

Was hat Gunther von Hagens erfunden?
Gunther von Hagens entwickelte 1977 die Plastination. Dabei werden Flüssigkeiten und Fette aus biologischem Gewebe entfernt und durch Kunststoffe ersetzt.

Wann ist Gunther von Hagens gestorben?
Er starb am 24. Juli 2026 im Alter von 81 Jahren.

Woran ist Gunther von Hagens gestorben?
Die erste offizielle Mitteilung seiner Familie und des Instituts für Plastination nannte keine konkrete Todesursache. Eine bestimmte Ursache sollte deshalb nicht als Bestandteil dieser offiziellen Mitteilung dargestellt werden.

Hatte Gunther von Hagens Parkinson?
Ja. Er lebte viele Jahre mit Parkinson. Wegen der fortschreitenden Erkrankung zog er sich zunehmend aus der Öffentlichkeit und dem aktiven Geschäftsleben zurück.

Wer ist die Frau von Gunther von Hagens?
Seine Ehefrau ist die Medizinerin und Kuratorin Dr. Angelina Whalley. Sie leitet das Institut für Plastination und prägte die KÖRPERWELTEN-Ausstellungen über Jahrzehnte mit.

Wie viele Kinder hatte Gunther von Hagens?
Gunther von Hagens hatte drei Kinder. Sein Sohn Rurik von Hagens führt die Arbeit am Plastinationsstandort Guben weiter.

Sind die Körper bei KÖRPERWELTEN echt?
Ja. Bei den ausgestellten menschlichen Plastinaten handelt es sich um echte anatomische Präparate. Für die Ganzkörper und die Mehrzahl der Präparate verweist das Institut auf sein Körperspendeprogramm.

Wird Gunther von Hagens selbst plastiniert?
Das war sein ausdrücklicher Wunsch. Seine Familie erklärte nach seinem Tod, dass sie diesen Wunsch respektieren und umsetzen werde.

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By Waltraud Keller
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Waltraud Keller lebt und schreibt in Leipzig, wo sie während ihres Studiums mit dem Schreiben begann – begünstigt durch die lebendige Kultur- und Medienszene der Stadt. Einen klassischen Zeitungs- oder Redaktionsweg hat sie nicht durchlaufen: Ihr journalistisches Handwerk hat sie sich über die Jahre selbst angeeignet, durch intensive Recherchearbeit, Interviews, Blogging und eigene Langformat-Projekte. Seit rund 6 bis 8 Jahren schreibt sie professionell und hat sich in dieser Zeit mit Themen rund um Gesellschaft, Kultur, Alltag, Bildung, Lifestyle, digitale Trends sowie gelegentlich Politik und aktuelle Ereignisse aus einer allgemeinverständlichen Perspektive beschäftigt. Bei freithema.de bringt sie diese Erfahrung mit einem klaren, unabhängigen Blick und einem ausgeprägten Gespür für gesellschaftlich relevante Geschichten ein.
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